Digitalkompetenz in Kommunen: Handlungsfelder, Referenzrahmen und Roadmap

Hinweis zur Domain

Unter digitalkompetenz.kommunalcampus.de lag bis 2025 das Projekt „roadMAP – Wege zur Digitalen Kompetenz in Kommunen“ mehrerer kommunaler Träger. Es wurde eingestellt. KommunalCampus ist heute ein privates, redaktionell betriebenes Ratgeberportal und weder Nachfolger noch Angebot dieses Projekts. Wir können die damaligen Materialien nicht bereitstellen. Mehr dazu unter Über KommunalCampus.

Digitale Verwaltung scheitert selten an der Software. Sie scheitert daran, dass niemand sie sicher bedienen kann. Diese Seite erklärt, was mit Digitalkompetenz in Kommunen gemeint ist, woran sie sich messen lässt und was Bürgerinnen und Bürger davon merken.

Zusammenfassung

  • 🇪🇺 DigComp ist der europäische Referenzrahmen: fünf Kompetenzbereiche, 21 Einzelkompetenzen
  • ⚖️ Seit dem OZG-Änderungsgesetz gilt Verwaltungsdigitalisierung als Daueraufgabe, nicht als Projekt
  • 📊 Der Kompetenzstand wird über Selbsteinschätzung erhoben, nicht über Prüfungen
  • 🏛️ Der Ausbaustand unterscheidet sich von Kommune zu Kommune erheblich

Was mit Digitalkompetenz gemeint ist

Nicht: Wer kann Word bedienen. Gemeint ist die Fähigkeit, digitale Werkzeuge im Arbeitsalltag sinnvoll, sicher und rechtssicher einzusetzen – Informationen bewerten, Daten schützen, digital zusammenarbeiten, Probleme selbst lösen statt jedes Mal die IT zu rufen.

Der gängige Maßstab dafür ist DigComp, der europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen. Die aktuelle Fassung DigComp 2.2 beschreibt 21 Einzelkompetenzen, gegliedert in fünf Bereiche. Er ist kein Lehrplan, sondern ein gemeinsames Vokabular: Er macht vergleichbar, worüber sonst jede Verwaltung anders spricht.

Die fünf Kompetenzbereiche

  • Umgang mit Informationen und Daten – suchen, filtern, Quellen bewerten, ablegen und wiederfinden
  • Kommunikation und Zusammenarbeit – digitale Kanäle nutzen, auch über Ämtergrenzen hinweg
  • Erstellung digitaler Inhalte – von der barrierefreien PDF bis zum verständlichen Formular
  • Sicherheit – Datenschutz, Schutz vor Angriffen, Umgang mit sensiblen Bürgerdaten
  • Problemlösung – technische Störungen einordnen, Bedarf erkennen, Neues einarbeiten

Für Kommunen ist der vierte Bereich der heikelste. In einem Melde- oder Sozialamt liegen Daten, deren Verlust unmittelbar Menschen schadet – dort ist Kompetenz keine Komfortfrage.

Warum das für Kommunen zählt

Das Onlinezugangsgesetz von 2017 verpflichtete Bund, Länder und Kommunen, Verwaltungsleistungen digital anzubieten; die ursprüngliche Frist Ende 2022 wurde weit verfehlt. Das OZG-Änderungsgesetz, seit Juli 2024 in Kraft, zieht daraus die Konsequenz und behandelt Verwaltungsdigitalisierung als fortlaufende Aufgabe statt als Vorhaben mit Stichtag.

Damit verschiebt sich der Engpass. Nicht mehr die Frage, ob ein Online-Antrag existiert, entscheidet – sondern ob die Beschäftigten dahinter ihn betreiben, prüfen und erklären können. Genau das ist der Punkt, an dem Digitalkompetenz vom Schlagwort zur Voraussetzung wird.

Wie Kommunen den Stand erheben

Üblich sind anonyme Selbsteinschätzungen entlang der DigComp-Bereiche, ergänzt um Gespräche mit Fach- und Führungskräften. Bewusst keine Prüfung: Wer Angst vor dem Ergebnis haben muss, kreuzt nicht ehrlich an, und ein geschöntes Bild hilft niemandem bei der Planung.

Aus dem Ergebnis wird eine Reihenfolge abgeleitet – welche Bereiche zuerst, welche Zielgruppen, welche Formate. Genau dieses Vorgehen stand hinter dem Projekt „roadMAP“, das bis 2025 unter dieser Adresse dokumentiert war. Welche Wege in die Fortbildung führen, steht auf der Seite Weiterbildung in der Kommunalverwaltung.

Was Bürgerinnen und Bürger davon merken

Ob eine Kommune digital kompetent aufgestellt ist, merkt man an Kleinigkeiten: ob der Online-Antrag zu Ende funktioniert oder auf halbem Weg abbricht; ob am Telefon jemand erklären kann, warum die Anmeldung mit dem Ausweis hakt; ob ein PDF vorgelesen werden kann oder als Bild eingescannt wurde.

Welche Leistungen inzwischen online gehen und wie die Anmeldung funktioniert, steht unter Das digitale Rathaus und Die Online-Ausweisfunktion nutzen. Begriffe aus der Verwaltungssprache erklärt das Kommunal-Glossar.

Vom Befund zur Maßnahme

Eine Kompetenzerhebung ist wertlos, wenn ihr nichts folgt. In der Praxis hängt der Nutzen an drei Entscheidungen, die nach der Auswertung anstehen:

  • Reihenfolge – welcher Bereich zuerst. Meist gewinnt der, in dem eine Lücke unmittelbar Schaden anrichten kann, also Sicherheit und Datenschutz.
  • Zielgruppe – Sachbearbeitung, Führung oder IT. Ein Kurs für alle trifft in der Regel niemanden richtig.
  • Verbindlichkeit – freiwilliges Angebot oder eingeplante Arbeitszeit. Freiwillige Formate erreichen erfahrungsgemäß jene, die ohnehin schon fit sind.

Der letzte Punkt ist der unbequeme. Wer Digitalkompetenz breit heben will, muss Zeit dafür im Dienstplan freiräumen – in einer Verwaltung mit unbesetzten Stellen ist das eine echte Entscheidung gegen etwas anderes, nicht bloss eine gute Absicht.

Der Rahmen ändert sich gerade

Seit Ende 2025 liegt eine gemeinsame Linie von Bund und Ländern vor: Die Föderale Modernisierungsagenda, beschlossen Anfang Dezember 2025 auf der Ministerpräsidentenkonferenz, bündelt über 200 Einzelmaßnahmen unter fünf Leitthemen – weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, effizientere Strukturen, digitale Verfahren, bessere Rechtsetzung. Einen ersten Fortschrittsbericht dazu legte die Bundesregierung im Juni 2026 vor.

Für die Kompetenzfrage sind zwei Punkte daraus zentral. Erstens ein einheitliches Servicekonto und der sogenannte Deutschland-Stack – also gemeinsame technische Bausteine statt 11.000 Einzellösungen. Zweitens die Vereinbarung, Genehmigungen ab Ende 2027 nach drei Monaten als erteilt gelten zu lassen und das Widerspruchsverfahren zur Ausnahme zu machen. Beides verschiebt Anforderungen: weg vom Beherrschen des eigenen Fachverfahrens, hin zum Arbeiten in gemeinsamen Strukturen und unter Fristendruck.

Zuständig auf Bundesebene ist seit 2025 das neu geschaffene Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Was davon in den Rädern der 11.000 Kommunen ankommt, entscheidet sich allerdings vor Ort – dazu mehr unter Reform der öffentlichen Verwaltung.

KI-Kompetenz als neuer Baustein

DigComp stammt aus einer Zeit vor generativer KI, deckt sie aber über die Bereiche Informationsbewertung und Problemlösung im Kern mit ab. In der Praxis ist daraus ein eigener Schwerpunkt geworden – nicht wegen der Technik, sondern wegen der Haftungsfrage: Ein Bescheid bleibt die Entscheidung der Verwaltung, auch wenn ein Modell den Entwurf geschrieben hat.

Verbreitet ist der Einsatz bislang nicht. Eine Kurzstudie des WIK für den Deutschen Städte- und Gemeindebund kam Ende 2024 auf rund 8 Prozent der Kommunen, die KI-Anwendungen nutzen, während es bei den kommunalen Unternehmen etwa ein Drittel war. Als Hindernisse nannte die Studie fehlende Kenntnis konkreter Anwendungsfälle, knappe Mittel, rechtliche Unsicherheit und lückenhafte Dateninfrastruktur.

Rechtlich gilt seit dem 2. August 2026 die nächste Stufe der EU-KI-Verordnung, darunter die Transparenzpflichten – etwa der Hinweis, dass gegenüber einem Chatbot und nicht einem Menschen geschrieben wird. Eine geplante Verschiebung dieser Fristen scheiterte Ende April 2026 im Trilog. Was das konkret für Rathaus-Anwendungen bedeutet, steht unter Künstliche Intelligenz in der Verwaltung.

Häufige Fragen

Was ist DigComp?

Der europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen. Die aktuelle Fassung DigComp 2.2 beschreibt 21 Kompetenzen in fünf Bereichen und dient als gemeinsame Beschreibungssprache, nicht als Lehrplan oder Zertifikat.

Gilt das OZG noch?

Ja. Das Onlinezugangsgesetz von 2017 wurde durch das OZG-Änderungsgesetz fortentwickelt, das im Juli 2024 in Kraft trat. Die starre Frist von Ende 2022 ist entfallen; die Digitalisierung gilt seitdem ausdrücklich als Daueraufgabe.

Warum können manche Ämter mehr online als andere?

Weil Kommunen eigenständig entscheiden, welche Verfahren sie in welcher Reihenfolge umstellen, und weil Haushaltslage, IT-Dienstleister und Personal sich stark unterscheiden. Ein einheitlicher Stand ist gesetzlich nicht vorgegeben.

Wo finde ich die roadMAP-Materialien?

Das Projekt ist beendet und die Inhalte sind nicht mehr online. Dieses Portal ist nicht sein Nachfolger und verfügt nicht über die Materialien. Ältere Fassungen lassen sich teils über Webarchive einsehen.

Was ist die Föderale Modernisierungsagenda?

Ein von Bund und Ländern Anfang Dezember 2025 beschlossenes Paket mit über 200 Maßnahmen zur Staatsmodernisierung – von Bürokratieabbau über schnellere Genehmigungen bis zu gemeinsamen digitalen Bausteinen.

Wie viele Kommunen setzen KI ein?

Eine Kurzstudie des WIK für den Deutschen Städte- und Gemeindebund kam Ende 2024 auf rund 8 Prozent der Kommunen; bei kommunalen Unternehmen lag der Anteil bei etwa einem Drittel. Neuere Erhebungen dürften höher liegen.