Ob Bürgerinnen und Bürger in einer Ratssitzung direkt Fragen stellen dürfen und ob sie ein Recht darauf haben, dass sich der Rat mit ihren Anliegen befasst, regelt jede Gemeindeordnung selbst. Diese Seite vergleicht zwei niedrigschwellige Beteiligungsrechte für alle 16 Länder: die Einwohnerfragestunde und das Anregungs- und Beschwerderecht.
Beide sind – anders als der Einwohnerantrag – an keine Unterschriftenzahl gebunden und damit die einfachste Form der Beteiligung.
Die Regeln im Bundesland-Vergleich
| Bundesland | Einwohnerfragestunde | Anregungs-/Beschwerderecht | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | möglich (Kann) | – (in Fragestunde miterfasst) | § 33 Abs. 4 GemO BW |
| Bayern | nicht geregelt (Bürgerversammlung Art. 18) | – | Art. 18 BayGO |
| Berlin | vorgesehen (BVV) | – | § 43 BezVwG |
| Brandenburg | möglich (Kann) | – | § 13 BbgKVerf |
| Bremen | Bremerhaven: nicht ausdrücklich | ja (§ 19 VerfBrhv, Petition) | § 19 VerfBrhv |
| Hamburg | möglich (Kann) | ja (§ 20 BezVG, Eingaben) | §§ 14/20 BezVG |
| Hessen | nicht geregelt (Einwohnerversammlung § 8a) | – | § 8a HGO |
| Mecklenburg-Vorpommern | vorgesehen | – | § 17 KV M-V |
| Niedersachsen | möglich (Kann) | ja (§ 34 NKomVG) | §§ 62/34 NKomVG |
| Nordrhein-Westfalen | möglich (Kann) | ja (§ 24 GO NRW) | §§ 48/24 GO NRW |
| Rheinland-Pfalz | möglich (Kann) | ja (§ 16b GemO) | §§ 16a/16b GemO RP |
| Saarland | möglich (Kann) | – (§ 21 Einwohnerantrag) | § 20a KSVG |
| Sachsen | nicht geregelt (Petitionsrecht § 12) | – | § 12 SächsGemO |
| Sachsen-Anhalt | vorgesehen („sind vorzusehen“) | – | § 28 Abs. 2 KVG LSA |
| Schleswig-Holstein | verpflichtend („muss“) | ja (§ 16e GO) | §§ 16c/16e GO SH |
| Thüringen | möglich (Soll) | – | § 15 ThürKO |
Berlin, Hamburg und Bremen haben keine klassische Gemeindeordnung; dort gelten die Bezirksverwaltungsgesetze bzw. die Verfassung für Bremerhaven. Eine verpflichtende Einwohnerfragestunde kennen nur Schleswig-Holstein („muss“) und Sachsen-Anhalt; anderswo ist sie als Kann-/Soll-Regelung oder über die Geschäftsordnung ausgestaltet. Ein ausdrücklicher Anregungs- und Beschwerde-Paragraph besteht vor allem in Nordrhein-Westfalen (§ 24), Rheinland-Pfalz (§ 16b), Niedersachsen (§ 34) und Schleswig-Holstein (§ 16e) – sowie als Eingaben-/Petitionsrecht in Hamburg und Bremerhaven.
Stand & Quellen
Stand: Juli 2026. Abgeglichen gegen die Gemeindeordnungen bzw. Kommunalverfassungen der Länder. Wie eine Kommune ihre Fragestunde konkret ausgestaltet, steht in der jeweiligen Hauptsatzung oder Geschäftsordnung.
- Gemeindeordnungen / Kommunalverfassungen der 16 Länder (Fundstellen in der Tabelle)
- Bezirksverwaltungsgesetze Berlin und Hamburg, Verfassung für die Stadt Bremerhaven
Teil der Reihe: Kommunalrecht im Bundesland-Vergleich – alle Themen der 16 Länder im Überblick.
Häufige Fragen
Habe ich ein Recht, im Gemeinderat Fragen zu stellen?
In vielen Ländern ist eine Einwohnerfragestunde vorgeschrieben oder möglich; teils besteht ein Anregungs- und Beschwerderecht. Das Ob und Wie regelt die jeweilige Gemeindeordnung.
Was ist der Unterschied zwischen Fragestunde und Anregungsrecht?
In der Fragestunde stellen Einwohner Fragen an Rat und Verwaltung; das Anregungsrecht erlaubt, ein Anliegen förmlich auf die Tagesordnung zu bringen, das dann behandelt werden muss.
Wie reiche ich eine Frage ein?
Meist schriftlich und fristgerecht vor der Sitzung beim Ratsbüro. Eine Vorlage finden Sie in unseren Musterschreiben.